Stell dir vor, du stehst hinter dem schweren roten Sammetvorhang. In wenigen Minuten wird er aufgehen. Du hattest kaum Zeit zum Üben. Du schwitzt. Hast kalte Hände. Dein Atem ist flach. Wird das Make-up halten? Wirst du bereit sein? Die in dich gesetzten Erwartungen erfüllen? Wirst du glänzen oder scheitern?

Rollenspiele sind eine beliebte Aufgabe von Recruitern. Es ist nicht jedermanns Sache, in eine andere Rolle zu schlüpfen (selbst wenn es die eigene ist – und du ja genau dort hin willst!). Manche sind geborene Schauspielerund schmettern ihre Performance nur so hin. Andere würden sich lieber hinter dem nächsten Desk verstecken. Beides ist hier nicht gefragt. Das Rollenspiel im Assessment verlangt nach einer Art “zukünftigen Authentizität”, wenn du weisst, was ich meine.

Hier wird eine Alltagssituation im Business inszeniert, eine typische Situation für die von dir angestrebte Position– mit Vorliebe eine, in der es ein bisschen kriselt – um deine Soft Skills zu testen. Vielleicht sitzt du einer unzufriedenen Kundin gegenüber, hast eine schwierige Verhandlung zu führen oder fühlst einem Mitarbeiter auf den Zahn, dessen Performance schon bessere Tage gesehen hat… Und das unter dem prüfenden Blick der Assessorin – hältst du ihm stand? Sie ist in diesem Moment dein Publikum. Und das Gespräch deine Bühne.

Improvisation ist viel – aber nicht alles. Bevor es ernst gilt mit dem Spiel, bekommst du 10 bis 15 Minuten Zeit, um dich mit der beschriebenen Situation auseinanderzusetzen, dich auf sie einzulassen. Hier mein heisser Tipp: Nutze diese Zeit! Dies ist die Aufwärmphase vor dem Spurt. Verlass dich nicht allein auf dein Improvisations-Talent – gib dir die Chance, dich richtig gut einzustimmen.

Aufgewärmt und geschmeidig hast du einfach die besseren Karten. Du wirst ruhiger auftreten, selbstbewusster, souveräner. Es ist leider so: Nervosität macht anfällig für Fettnäpfchen… Ein berüchtigter Fehltritt im Rollenspiel ist das Monologisieren. Manche von uns können vor lauter Nervosität nicht mehr auf Empfang gehen. Sie unterbrechen ihr Gegenüber, ignorieren seine Argumente, reden es in Grund und Boden. Andere werden flüchtig, lesen die Aufgabe nur kurz quer und setzen auf Vogel-Strauss-Politik. Ein dritter, auf den ersten Blick netter Fettnapf ist “offensives Charmieren”; wenn du dein Gegenüber umgarnen und gute Stimmung verbreiten möchtest und darob Zeit und verbindliche Abmachungen vernachlässigst. Das waren die anderen – jetzt zu dir: Wie kompensierst DU, wenn dich die Nervosität packt? Wie kannst du trotzdem authentisch bleiben? …Du siehst, es kann nicht schaden, genau hin zu schauen!

Die Vorbereitung beginntmit A wie Aufgabenstellung: Lies sie bitte sorgsam durch! Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn du mit einer guten Performance haarscharf an der eigentlichen Aufgabe vorbeischrammst – und es nicht einmal merkst. Essentiell ist auch das Ziel: Wie soll das inszenierte Gespräch idealerweise enden? Willst du die unzufriedene Kundin zurückgewinnen? Ist dir wichtig, dass du mit deinem Mitarbeiter Leistungsziele vereinbarst? Wie erreichst du das? Was ist deine Strategie? Wie sprichst du das Thema an? Direkt oder eher diplomatisch? Wie kann dein Gegenüber dabei das Gesicht wahren? Überlege dir auch: Wie ist deine Körperhaltung bei einem eher unangenehmen Gespräch? Nimmst du instinktiv eine Schutzhaltung ein? Hast du vielleicht nervöse “Ticks”? Welches Auftreten würde deine Absicht unterstreichen? Wie kannst du dabei authentisch bleiben? Neulich las ich übrigens, irgendwo an einer virtuellen Leinwand: Authentisch ist das neue cool.

Ganz wichtig – und dies ist mein zweiter heisser Tipp – ist auch die Art, wie du abschliesst. Zunächst einmal solltest du bei deinem Rollenspiel darauf achten, dass du die Zeit einhältst, dass du rechtzeitig in die Schlussphase kommst. Dann kannst du dir schon bei der Aufwärmphase überlegen, wie du das Gespräch abrundest. Willst du kurz rekapitulieren? Verbindliche Vereinbarungen treffen? Einen nächsten Termin vorschlagen, um zu prüfen, ob die Ziele erreicht wurden?

Assessoren spielend überzeugen

Für uns Assessoren sind Rollenspiele ein wunderbares Mittel, um zu testen, wie unser Gegenüber (du!) in der konkreten Situation agiert und reagiert. In den inszenierten Gesprächen bekommen wir einen Eindruck davon, wie du Probleme löst und mit Druck umgehst.

Wir sehen, wie du kommunizierst.

Welche Gesprächsatmosphäre schaffst du? Wieviel Raum gibst du deinem Gegenüber, um seine Sichtweise einzubringen? Hörst du ihm aktiv zu? Führst du einen Dialog oder eher einen Monolog? Wie gehst du mit privaten Informationen um? (Vielleicht hat dein Mitarbeiter gerade Stress in der Familie oder eine private Krise zu bewältigen…)

Wie du fokussierst.

Wie direkt sprichst du das Problem an? Ist ein roter Faden erkennbar? Behältst du die Gesprächsfäden in der Hand? Wie gehst du mit Störungen um? (Telefone, neue Informationen, drängende Entscheidungen: Gelegentlich werden sie absichtlich eingebaut, als zusätzlichen “Stresstest”.) Was tust du, wenn dein Gegenüber dem Thema ausweicht?

Wie strukturiert du vorgehst.

Hältst du dich an den vorgegebenen Rahmen? An die vorgegebene Zeit? An den vorgegebenen Inhalt? Setzt du Hilfsmittel (Skizzen oder Ähnliches) ein? Rekapitulierst du das Gespräch gegen Ende hin? Triffst du verbindliche Vereinbarungen? Legst du einen zeitlichen Rahmen fest?

Wie du dich gibst.

Wie drückst du dich aus? In welcher Lautstärke und Geschwindigkeit? Wie klingt deine Stimme dabei? Was sagt dein Körper? Schaust du deinem Gegenüber in die Augen? Was machst du mit deinen Händen? Und insgesamt: Wie sympathisch wirkst du?

Wie du Ziele erreichst.

Hast du die Aufgabe verstanden und ernst genommen? Dein Ziel erreicht? Das Problem gelöst? Vielleicht sogar ein Problem zu einer Chance umgekrempelt? Mehr bekommen als erwartet?

Mit anderen Worten: Wir sehen DICH. In einer möglichen zukünftigen Rolle. Unser Part ist nun herauszufinden, ob Rolle und Besetzung zu einer erfolgreichen Produktion führen könnten. Am besten eine mit einem richtigen Happyend, das alle glücklich macht: Produzentinnen, Darsteller und Publikum. – Vorhang fällt. Applaus!

Kleines Extra:Heisser Tipp Nummer Drei: Aktives Zuhören! Beim Aktiven Zuhören gebe ich Gehörtes in eigenen Worten wieder oder frage nach. Das Gegenüber fühlt sich gehört, ernst genommen und verstanden. Das schafft eine Atmosphäre des Vertrauens, beugt Missverständnissen vor und legt eine solide Basis für die Verhandlung.

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